Teilnehmerrückblick – „Freunde findet man sehr schnell“

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Eine Kleinstadt an der Küste Japans – 34.000 Menschen aus 150 Nationen der Welt. Es gibt wohl keinen Ort, an dem mehr Nationen gleichzeitig zusammenleben.  Aktuell findet das Weltpfadfindertreffen (World Scout Jamboree) in Japan statt. Aber ist eine heile und friedliche Welt, in der so viele Jugendliche zusammen leben, wirklich möglich?

Es ist eine Stimmung, die kaum zu beschreiben ist. Multikulturell, tolerant, lustig! So viele Jugendliche haben eine Zeltstadt errichtet, um gemeinsam ein Abenteuer zu erleben, welches sie nie wieder vergessen werden. Es ist eine Stadt, welche Frieden lebt.

„Auf einem Jamboree haben wir die Möglichkeit, viele Freundschaften zu schließen und unterschiedlichste Kulturen kennen zu lernen“, erklärt Isabelle von Bernstorff aus Mannheim  begeistert. Erster Schritt zu einem neuen Kontakt ist das heitere Tauschen von Fahrtenabzeichen und Halstüchern – nirgends könnte es eine bessere Gelegenheit dazu geben. Spontane Theateraufführungen und Musikeinlagen gehören während eines Jamborees zum Alltag und so sammelt man täglich Erinnerungen und Erlebnisse, welche das Pfadfinden neu erfinden.

Halstuch tauschen; (c) Clemens Möllenhoff

In Deutschland wurde das World Scout Jamboree noch nie abgehalten. Dennoch ist es stets ein Muss für deutsche Pfadfinder, in andere Länder zu reisen, um dort fremde Kulturen kennen zu lernen und Freundschaften zu schließen. Alle Pfadfinderverbände aus Deutschland haben sich zu einem sogenannten Kontingent zusammengeschlossen. Mit einer einheitlichen Kluft (Hemd der Pfadfinder) und einem Halstuch erleben die Jugendlichen in ihren Trupps nun ihr Weltpfadfindertreffen.

Clemens Möllenhoff (17) aus Nürnberg in Bayern (Trupp Boandlkramer)

„Für mich ist das Jamboree der Höhepunkt meiner Pfadfinderkarriere. Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir auf einem Weltpfadfindertreffen unseren Horizont erweitern und so viele neue Leute aus der ganzen Welt kennen lernen. Es sind Kontakte fürs Leben. Lange war ich als Teilnehmer auf Lagern dabei und habe das Programm miterlebt. Mit dem Weltpfadfindertreffen in Japan beginnt für die meisten Teilnehmer ein neuer Abschnitt der Pfadfinderei. Ich freue mich auf eine Zeit des Mitarbeitens und Gestaltens – auf eine Zeit nach dem Kindsein.

Johanna Nagel (15) aus Einbeck in Niedersachsen (Trupp Till Eulenspiegel):

„Ich bin davon begeistert, dass wir so schnell Freundschaften schließen können. Auf dem World Scout Jamboree lerne ich so viele Kulturen kennen und ich habe das Gefühl, dass man nach drei Worten schon mit seinem Gegenüber befreundet ist – egal aus welchem Land er kommt!  Da dies bei den Pfadfindern immer so ist, ist es auch einer der Gründe, warum ich gerade bei dieser coolen Jugendorganisation dabei bin. Hoffentlich schaffe ich es, meine Halstücher zu tauschen, welche ich aus Deutschland mitgebracht habe. Eins habe ich schon mit Michel aus Texas getauscht. Michel kam mit zwei Freunden aus den USA zu meiner Gruppe und so kamen wir ins Gespräch. Nun freue ich mich immer wieder, wenn ich ihn in meinem Teillager sehe und ich glaube, dass wir auch über unseren Japan-Aufenthalt hinaus Kontakt halten werden.“

Leonie Andretzki (17) aus Elmshorn in Schleswig-Hohlstein (Trupp Schimmelreiter)

„Ich bin davon überzeugt, dass das Jamboree hilft, um Vorurteile gegenüber fremden Kulturen zu verringern. Wenn man sich mit einem Menschen einer anderen Kultur, Religion oder Herkunft angefreundet hat, ist es sicherlich schwierig, später gegen ihn und seine Mitmenschen Krieg zu führen. Gewalt verhindern – das ist Aufgabe von uns jungen Pfadfindern!

Ein Highlight der letzten Tage war für mich auch die Essensmeile. Jedes Land hat seine typischen Gerichte vorgestellt und es war wirklich spannend, die verschiedensten Geschmäcker zu erleben. Geichzeitig lernt man auch intensiv kennen, was Traditionen sind und was sie bedeuten. Während ich einige Inder besucht habe, wurde mir beispielsweise einfach ein roter Punkt auf die Stirn gemalt. Das war ziemlich cool.“ 

Erstmals wurde das World Scout Jamboree im Jahr 1920 von Pfadfindergründer Robert Baden-Powell in London veranstaltet. Das Ziel des Jamborees ist es, zum Frieden zwischen den Nationen, Religionen und Kulturen beizutragen. Ein einmaliges Erlebnis für jede Pfadfinderin und jeden Pfadfinder. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer engagieren sich dabei als „messengers of peace“ und erinnern in diesem Jahr an den Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki vor 70 Jahren. Aus diesem Grund findet das Jamboree in Japan statt. Gruppenfoto Japaner ; (c) Stephan Albrecht

Teilnehmer sind nur Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren. Nachdem das Lager nur alle 4 Jahre stattfindet, ist die Teilnahme für die meisten nur ein Mal möglich. Doch ist ein Leben in einer solchen Zeltstadt wirklich nachhaltig und umweltbewusst? Zu den Idealen des Pfadfindertums gehört es doch, Umwelt und Natur zu schützen. In Japan fallen allerdings die unendlichen Mengen an Müll auf. „Ich kenne das normal nicht von den Pfadfindern. Muss wirklich jede Banane einzeln verpackt sein?“, beklagt sich Isabelle von Bernstorff.  Sicherlich ist sie nicht die Einzige, die sich diese Frage stellt.

 

Von Stephan Albrecht aus Denklingen in Oberbayern

Clemens Möllenhoff; (c) Stephan Albrecht

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